Inhalt: was können wir aktiv tun?
Drosophila suzukii
>> Hygienemaßnahmen
Zur Eingrenzung der weiteren Vermehrung sind beim Auftreten von Befall folgende Sofortmaßnahmen zu beachten:
- Vollständige Ernte der Früchte
- Entfernen von frisch abgefallenen Früchten, die noch Befall aufweisen können;
- Abtöten der Eier und Larven z.B. durch Solarisation befallener Früchte, d.h. in Plastikbeuteln oder unter Folienabdichtung intensiver Sonneneinstrahlung (hohe Temperaturen) aussetzen.
- Vom Kompostieren ist abzuraten, da es die einzelnen Entwicklungsstadien nicht mit Sicherheit abtötet.
>> Einnetzen von Kulturen
Die Anwendung von feinmaschigen Netzen (Maschenweite 0,8 bis max. 1,0 mm) ist sehr gut geeignet, vor Befall zu schützen. Hierzu liegen aus dem In- und Ausland bereits Erfahrungen im Kirsch- und Beerenanbau vor. Kirschanlagen, die bereits über eine Regenbedachung verfügen können zusätzlich mit einem feinmaschigen Netz an den Seiten geschlossen werden. Somit kann der Befall auf ein Minimum reduziert werden. Wichtig ist das rechtzeitige Schließen der Netze, die regelmäßige Kontrolle der Netze auf Schadstellen sowie die intensive Überwachung innerhalb des eingenetzten Bestandes zum Auftreten der Kirschessigfliege, da ein Eindringen der Fliege nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann (Beschädigungen am Netz, Öffnen der Netze zum Betreten, Ernten der Kultur, etc.). Der zusätzliche Einsatz von Insektiziden kann erforderlich sein.
Im Jahr 2017 startete unter Leitung des JKI Dossenheim und mit Beteiligung mehrerer Bundesländer das vom BMEL geförderte Modell- und Demonstrationsvorhaben „Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege“. Das Projekt hat zum Ziel, das Einnetzen von Obstkulturen als technische Lösung in der Praxis weiter zu verbreiten. Damit kann der Einsatz von Insektiziden gegen diesen Schaderreger reduziert werden. Das Vorhaben greift Hauptziele des Nationalen Aktionsplans für die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) auf, der am 10. April 2013 gemäß § 4 des Pflanzenschutzgesetzes von der Bundesregierung beschlossen wurde. Diese sind Maßnahmen zur Entwicklung und Förderung von Innovationen im integrierten Pflanzenschutz und zur Entwicklung, Untersuchung und Erprobung nichtchemischer Pflanzenschutzverfahren. Desweiteren zielt der NAP auf die Einführung neuer Technologien in die Praxis und beinhaltet die Demonstration neuer Verfahren.
Weiterführende Informationen finden Sie unter:
http://droso-demo-netz.julius-kuehn.de/
>> Insektizide im Erwerbsanbau
Wirksame Insektizide gegen die Adulten sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Phosphorsäureester, Pyrethroide, Spinosyne und Cyantranilipole. Neonicotinoide ergaben nur eine begrenzte Wirkung gegen Eier und Larven. Auch wenn Insektizide allein keine Lösung darstellen (keine Dauerwirkung, Problem Rückstände, Resistenzen, Naturhaushalt), können sie vor allem auf größeren oder isoliert liegenden Erwerbsflächen den Befall eingrenzen. Für anfällige Kulturen stehen in Deutschland Insektizide aus den o.g. Gruppen allerdings nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Für geeignete Insektizide hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) befristete Genehmigungen für Notfallsituationen mit strengen Auflagen erteilt. Eine aktuelle Übersicht der Mittel und Wirkstoffe finden Sie hier BVL.
Der Einsatz von Insektiziden muss frühzeitig beim ersten Auftreten des Schaderregers erfolgen. Je stärker sich die Populationen bereits aufgebaut haben, umso schwieriger wird die Bekämpfung bzw. ein guter Bekämpfungserfolg, zumal die Eiablage in reifende und reife Früchte, also bis zur Ernte erfolgt, und die Entwicklung der Larven sehr rasch von statten geht.
Nach Erfahrungen 2011 im Südtiroler Beerenanbau, wo in einem kleinparzelligen Umfeld trotz zehnmaligem Insektizideinsatz Befall bis zu 100% vorlag, sollte man nicht alle Hoffnung in die Wirksamkeit von Insektiziden legen. Darüber hinaus ist zu erwarten, dass sich angesichts der Generationen- und Nachkommenzahl dieses Tieres sehr schnell Resistenzen bilden werden. Ein besonders behutsamer Umgang mit den wirksamen Insektiziden ist unbedingt einzuhalten.
>> Massenfang
Die Idee des Massenfangs beruht darauf, die im Frühjahr in die Kulturen einwandernden Fliegen wegzufangen. Da sich die Population nach der langen Winterphase zu diesem Zeitpunkt auf niedrigem Niveau befindet, erscheint dies erfolgversprechend. Das Verfahren ist sehr aufwendig und kostenintensiv. Während einerseits aus der Schweiz von guten Praxiserfahrungen berichtet wird, führten Versuche in Deutschland zu keinen klaren Ergebnissen. Es konnte allenfalls eine Verzögerung des Befalls erzielt werden. Der Erfolg eines solchen Verfahrens hängt stark von der der jeweiligen Situation ab, insbesondere Flächengröße der Kultur, Umfeld (Zuflug), Populationsdruck.