Inhalt: Anbau
Nutzhanf kann in die modernen Anbausysteme als Vor-, Haupt- oder Zwischenfrucht integriert werden (Graf et al. 2005). Hanf ist mit sich selbst kompatibel, jedoch wird der Anbau in Monokultur nicht empfohlen (TLLLR 2021). Sein ausgedehntes Pfahlwurzelsystem kann zur Verbesserung der Bodenstruktur beitragen und somit Bodenerosion vermindern. Hanf gilt im Moment als ideale Kulturpflanze, um bekannte Krankheitszyklen in Fruchtfolgen zu unterbrechen (Mielke und Scöber-Butin 2002). Deswegen kann i.d.R. auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden. Zusätzlich verfügt Hanf unter optimalen Bedingungen über eine hohe Unkrautunterdrückung (Bouloc et al. 2013). Mit einem Wasserbedarf von 250 bis 400 mm in ihrer relativ kurzen vegetativen Phase, weist Hanf einen geringeren Wasserverbrauch auf als andere Faserpflanzen (z.B. Baumwolle mit 514 bis 1309 mm) (Kirk et al. 2023). Des Weiteren kann Hanfanbau zur Förderung der Agrarbiodiversität beitragen (Textile Exchange 2023).
Hanf verträgt keine Bodenverdichtungen und bevorzugt ein feinkrümeliges Saatbeet (Schöberl et al. 2020). Der pH-Wert im Boden sollte 6 bis 7,5 betragen (Amaducci et al. 2015). Die Aussaat erfolgt meist ab April bei einer Bodentemperatur von 5 bis 10 °C. Hanf ist eine schnell wachsende Pflanze, die in kurzer Zeit eine hohe Biomasse erzeugt. Die Entwicklung von Hanf wird stark von der Tageslänge beeinflusst. Als Kurztagpflanze reagiert Hanf bei kürzeren Tagen, die seine kritische Tageslänge unterschreiten, mit der Induktion der Blüte und somit der Samenreife. Dies führt zu einer Stagnation in der Biomasseproduktion und dem Beginn der Ausbildung von qualitätsmindernden Sekundärfasern (Hall et al. 2012; Salentijn et al. 2019). Bei einer reinen Fasernutzung wird der Hanf mit Beginn der Blüte geerntet. Vielfach wird eine Doppelnutzung angestrebt (Fasern/Stroh und Samen). Somit erfolgt die Ernte sobald die Samen abreifen. Hier muss ein Kompromiss zwischen Faserqualität und Samenertrag eingegangen werden. Die Hanfernte erfordert zu Teilen eine angepasste Erntetechnik. Spezialisierte Lohnunternehmer übernehmen die Ernte meist als Auftragsarbeit. Ein wichtiger Verarbeitungsschritt nach der Ernte ist die Röste. Während des Rösteprozesses werden Lignin, Hemicellulose und Pektin abgebaut und ermöglichen damit die Trennung von Fasern und holzigen Bestandteilen. Traditionelle Rösteverfahren sind die Wasserröste (mehrtägiges Einweichen in Wasser) oder die Feld- oder Tauröste, welche hauptsächliche praktiziert wird (Zimniewska 2022). Aktuell ist Hanfanbau in Deutschland nur unter Vertragsanbau wirtschaftlich möglich.